Wo`s mich juckt, da kratz`ich mich
In Eischoll lebte eine Frau, die hiess Selber. Tagsüber, wenn ihr Mann auf Arbeit ausser dem Hause war, spann sie fleissig. Zu dieser Frau kam beinahe jeden Tag ein Zwerg und hiess sie, ihm den Rücken kraulen und kratzen. Weil er so sehr bat, tat sie ihm einige Male den Willen. Schliesslich aber wurde ihr das Geschäft so lästig, dass sie es ihrem Manne klagte. Der sagte: «Lass mich nur machen. Das Ding soll bald ein Ende haben!» und zog eines Tages die Kleider der Frau an und setzte sich hinter das Spinnrad. Aber das Spinnen wollte ihm nicht recht aus der Hand, und da erschien der Zwerg und sagte:
«Du spinsterlest und spinsterlest und windst wenig a,
Mir schynt, mir schynt, du sygst e Ma!»
Der Mann erwiderte: «Komm, ich will dir den Rücken kratzen!» nahm die Hechel mit den eisernen Borsten und kratzte ihm den Rücken auf und ab, dass der Zwerg laut aufschrie und um Hilfe rief. Da kamen die andern Zwerge und fragten: «Wer het der tan?» Da schrie er in einem fort: «Selber, Selber!» Da sagten die andern:
«Selber ta, selber ha,
Blas dir selb du Schadu ab»
Der Zwerg ist nie mehr zu der Frau Selber gekommen.
Aus: C. Englert Faye, Von kleinen Leuten. 102 Zwergensagen, Feen und Fänggengeschichten aus der Schweiz, Bern 1937.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch